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Mit einer feierlichen Auftaktveranstaltung und rund achtzig Gästen im voll besetzten Veranstaltungsraum des Jugend- und Kulturzentrums „Alte Brauerei“ in Northeim wurde am 18. Juni 2025 der Probebetrieb des neuen Assistenz-Portals im Landkreis Northeim gestartet. Das Portal richtet sich an Menschen mit Behinderung oder Pflegebedarf, die Unterstützung und Entlastung im Alltag suchen. Auch Assistenzkräfte, Anbieter sozialer Dienstleistungen sowie ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger können das Vermittlungs-Portal nutzen. Ziel ist es, passgenaue Assistenz digital zu vermitteln und neue Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe zu eröffnen.

Das digitale Angebot ist Teil des Projekts MEAPP, das von Pro Inklusion e.V., Northeim, in Kooperation mit der Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg, und Helferportal GmbH & Co. KG, München, durchgeführt wird. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert.

Nach der Begrüßung durch die Stellvertretende Vorsitzende von Pro Inklusion, Christel Eppenstein, unterstrich MdB Frauke Heiligenstadt, Schirmherrin von Pro Inklusion e.V., in ihrem einführenden Grußwort zur Auftaktveranstaltung die Bedeutung digitaler Lösungen für mehr Teilhabe und Unterstützung. Susanne Grebe-Deppe, MEAPP-Projektkoordinatorin in Northeim, führte als Moderatorin durch die Veranstaltung. Sie berichtete, dass begleitend zum Portal eine Website in einfacher Sprache Sorgegemeinschaften über alle Fragen rund um Assistenz und Entlastung im Alltag informiert.

Ab dem Sommer würden die Informationen auch in Englisch, Arabisch und Ukrainisch zur Verfügung stehen. Bis zum Start des Portals sei es gelungen, fünf Leistungsanbieter zu gewinnen, die das Vermittlungs-Portal nutzen werden und denen sich Assistenzkräfte, die ehrenamtlich oder beruflich tätig sein wollen, zuordnen können.

Derzeit unterstützen folgende Anbieter den Probebetrieb:  Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen e.V., Stark e.V., Einbeck, Treffpunkt e.V., Katlenburg-Lindau, Aktiva Alltagsbegleitung, Einbeck, und Alltagsbegleitung Okay, Northeim. Nicole Romanus, Beraterin in der EUTB Northeim, berichtete anhand konkreter Situationen im Alltag sehr persönlich, wie gute Assistenz sie selbst dabei unterstützt, ihr Leben mit Behinderung selbstbestimmt zu führen und berufstätig zu sein.

Für Menschen mit Behinderung und Pflegebedarf sei es sehr wichtig, dass die Unterstützung verlässlich zur Verfügung stehe. Thomas Oeben, Helferportal, stellte die Vermittlungs-Plattform und ihre Funktionen vor. Die Anwendung ist sowohl über die Website als auch als App verfügbar – unter den Titeln Helferportal und Helferportal für Suchende im Apple Store und Google Play Store.

Mirte van de Griendt, MEAPP-Projektmanagerin in Northeim, befragte Personen, die das Projekt in der Region begleiten, zu ihren Erwartungen an das Assistenz-Portal. Tanja Holzapfel, pflegende Angehörige und Mitglied im Verein wir pflegen e.V., ist seit Beginn im Qualitätszirkel von MEAPP aktiv. Sie schilderte eindrücklich, wie dringend flexible und zuverlässige Entlastung gebraucht wird, und begrüßte es, dass Menschen mit Behinderung und pflegende Angehörige von Beginn an auf Augenhöhe im Projekt eingebunden waren. Ihre Anregungen und Erfahrungen in der Probenutzung seien in die Entwicklung des Portals eingeflossen.

Peter Traupe, Erster Vorsitzender von Pro Inklusion e.V., nutzte die Gelegenheit, um auf die Herausforderungen für kleine, ehrenamtlich organisierte Träger im Hinblick auf den Verwaltungsaufwand bei der Mittelbeantragung und -verwaltung hinzuweisen. Ebenso sprach er sich für die Vereinfachung der bürokratischen Wege bei der Beantragung von Unterstützungsleistungen aus.

Harald Rode, Sozialdezernent des Landkreises Northeim, führte aus, das Projekt habe ihn von Anfang an überzeugt und er habe sich deshalb auch persönlich für eine Verlängerung des Assistenz-Portals ab 2026 eingesetzt. Der Kreistag habe im Dezember 2024 einstimmig den Beschluss gefasst, im Anschluss an die Projektphase den Betrieb des Assistenz-Portals für fünf Jahre finanziell mit jährlich 55.000 Euro zu unterstützen.

Aus der Perspektive der Leistungsanbieter betonte Daniela Aufermann, Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen, das Assistenz-Portal biete die Chance, sich als Organisation mit ihren Angeboten für Menschen mit Behinderung und Pflegebedarf weiterzuentwickeln. Die Projektleiterin Prof. Dr. Katharina Liebsch, HSU, resümierte, die beginnende Phase des Probebetriebs sei entscheidend: „Wir lernen von den ersten Nutzenden und entwickeln das Portal weiter. Ziel ist mehr Selbstbestimmung durch gute Assistenz – digital vermittelt und sozial vernetzt.“

Bei der Veranstaltung war auch Bettina Schmietow als Vertreterin des fördernden Bundesministeriums BMFTR anwesend. Sie zeigte sich beeindruckt, wie weit die Projektumsetzung nach zwanzig Monaten Projektlaufzeit bereits fortgeschritten sei, und versprach eine Prüfung der bürokratischen Hürden in der Projektverwaltung.

Interessierte Personen können sich im Assistenz-Portal ab sofort anmelden. Menschen, die Assistenz suchen, legen im Portal ein Profil mit ihrem Unterstützungsbedarf, Stundenumfang und Standort an. In einem kurzen Gespräch mit dem Kundendienst wird die Identität der Person mit Hilfe des Personalausweises geprüft, um Fake--Anmeldungen im Portal zu verhindern.

Danach kann die Person Suchaufträge eingeben. Menschen, die Assistenz im Ehrenamt oder beruflich ausüben möchten, können ebenfalls ihr Profil im Portal hinterlegen. Neben einer kurzen persönlichen Beschreibung kann angegeben werden, welche unterstützenden Tätigkeiten die Person ausführen möchte. Nach der Anlage des Profils schließt sich die Assistenzkraft einem Leistungsanbieter an. Mit dem Leistungsanbieter erfolgt ein Vorstellungsgespräch und es wird ein polizeiliches Führungszeugnis angefordert. Liegt dieses vor, schaltet der Leistungsanbieter die Assistenzkraft frei. Kommt es zu einer Übereinstimmung von Suchanfrage und Assistenz-Angebot („Match“), kann über ein Chat-Modul ein erster Kontakt hergestellt werden. Das erleichtert die Kontaktaufnahme. Oft merkt man schon in dem ersten Video-Gespräch, ob sich beide Seiten eine Zusammenarbeit vorstellen können. In Assistenz-Beziehungen ist es wichtig, dass man Vertrauen aufbauen sich auf die Assistenzkraft verlassen kann. Können sich beide Parteien eine Zusammenarbeit vorstellen, wird der Auftrag angenommen.

Bei entgeltlichen Aufträgen (zum Beispiel über den Entlastungsbetrag oder über die Eingliederungshilfe) schaltet der Leistungsanbieter den Auftrag frei. Weitere Informationen und Registrierung: northeim.assistenz-portal.com

Für weitere Informationen stehe ich gern zur Verfügung:

Susanne Grebe-Deppe, 0160 6100693

Foto: Das Team des Assistenz-Portals freut sich über die gelungene Auftaktveranstaltung: Sandra Ohmes (Northeim), Prof. Katharina Liebsch (Hamburg), Thomas Oeben (München), Mirte van de Griendt (Northeim), Friederike Wünsch (Hamburg) Susanne Grebe-Deppe (Northeim)

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